Automatikgetriebe richtig abschleppen

Herstellervorgaben entscheiden über die richtige Abschleppart
Bleibt ein Fahrzeug mit Automatikgetriebe liegen, sollte es nicht nach einer allgemeinen Faustregel abgeschleppt werden. Je nach Getriebe, Antrieb und Fahrzeugmodell kann das Ziehen auf den eigenen Rädern zulässig, eingeschränkt oder vom Hersteller ausgeschlossen sein. Deshalb ist vor dem Abschleppen immer die Betriebsanleitung beziehungsweise die fahrzeugspezifische Herstellervorgabe maßgeblich.
Unsachgemäßes Abschleppen kann bei Automatikfahrzeugen Getriebe- oder Antriebsschäden verursachen. Dieser Ratgeber konzentriert sich deshalb auf die Frage, wann Neutralstellung, Abschleppdistanz und Transportart relevant werden. Für Hybridfahrzeuge und Elektroautos gelten zusätzliche antriebsspezifische Anforderungen.
Warum Automatikgetriebe beim Abschleppen empfindlich sein können
Automatikgetriebe sind technisch unterschiedlich aufgebaut. Bei manchen Konstruktionen hängt die Schmierung oder Kühlung bestimmter Getriebekomponenten vom laufenden Antrieb beziehungsweise von einer Ölpumpe ab. Deshalb lässt sich aus der Getriebeart allein keine einheitliche Abschleppdistanz ableiten.
Drehen sich beim Abschleppen die Räder, können je nach Konstruktion auch Teile des Getriebes oder Antriebsstrangs mitbewegt werden. Ist die vorgesehene Schmierung oder Kühlung dabei eingeschränkt, kann Wärme entstehen und das Getriebe beschädigt werden. Welche Räder rollen dürfen und unter welchen Bedingungen, legt der Fahrzeughersteller fest.
Automatik abschleppen: Herstellervorgaben zuerst prüfen
Der wichtigste Schritt ist der Blick in die Betriebsanleitung. Dort kann festgelegt sein, ob das Fahrzeug auf den eigenen Rädern abgeschleppt werden darf, welche Stellung des Getriebes erforderlich ist und welche Grenzen für Geschwindigkeit oder Strecke gelten. Fehlt eine eindeutige Freigabe, sollte das Fahrzeug nicht nach einer allgemeinen Faustregel gezogen werden.
Ist die fahrzeugspezifische Vorgabe nicht verfügbar oder lässt sich das Fahrzeug nicht wie vorgeschrieben vorbereiten, ist eine Verladung beziehungsweise ein geeigneter Fahrzeugtransport die risikoärmere Lösung.
1. Neutralstellung nur nach Herstellervorgabe
Wenn der Hersteller das Abschleppen auf den eigenen Rädern zulässt, ist häufig die Neutralstellung „N“ erforderlich. Sie darf jedoch nicht erzwungen werden. Bei elektronischen Wählhebeln oder ausgefallener Bordelektrik können besondere Entriegelungsverfahren gelten. Entscheidend ist auch hier die Betriebsanleitung.
2. Keine pauschale 50/50-Regel
Für Automatikfahrzeuge gibt es keine universelle Kombination aus 50 km/h und 50 Kilometern, auf die man sich verlassen kann. Zulässige Geschwindigkeit und Strecke unterscheiden sich je nach Fahrzeug und Getriebe.
Aber Achtung: Dieser Wert ist nur ein grober Anhaltspunkt! Bei vielen modernen Fahrzeugen sind die zulässigen Distanzen und Geschwindigkeiten deutlich geringer. Manche Hersteller erlauben nur 10 oder 20 Kilometer. Überschreiten Sie diese Werte, riskieren Sie einen Totalschaden des Getriebes.
3. Bei Allradantrieb das Antriebskonzept beachten
Bei Allradfahrzeugen können mehrere Achsen mit Getriebe, Differentialen oder elektrischen Antriebskomponenten verbunden sein. Ob einzelne Räder auf der Straße mitrollen dürfen, hängt vom konkreten Antriebssystem ab. Eine vollständige Verladung verhindert, dass Räder während des Transports mitdrehen, ist aber ebenfalls nach den fahrzeugspezifischen Vorgaben durchzuführen.
Wann ist privates Abschleppen tabu?
Auf privates Abschleppen mit Seil oder Stange sollten Sie verzichten, wenn die Herstellervorgaben das Ziehen ausschließen, nicht eindeutig verfügbar sind oder das Fahrzeug nicht in den vorgeschriebenen Abschleppzustand gebracht werden kann:
Wann ein professioneller Fahrzeugtransport sinnvoll ist
Ist keine eindeutige Freigabe für das Ziehen auf den eigenen Rädern vorhanden, ist ein professioneller Abtransport sinnvoll. Entscheidend ist nicht allein, dass es sich um ein Automatikfahrzeug handelt, sondern welche Transportart der Hersteller für das konkrete Modell und den vorhandenen Antrieb vorsieht.
Abschleppart passend zum Fahrzeug wählen
Fazit: Handbuch statt Faustregel
Beim Abschleppen eines Automatikfahrzeugs gibt es keine allgemeingültige 50/50-Regel. Neutralstellung, zulässige Strecke, Geschwindigkeit und Transportart sind fahrzeugspezifisch. Prüfen Sie deshalb zuerst die Betriebsanleitung und lassen Sie das Fahrzeug verladen, wenn keine eindeutige Freigabe für das Ziehen vorliegt.
Wenn Ihr Automatikfahrzeug im Rhein-Main-Gebiet nicht sicher nach Herstellervorgabe abgeschleppt werden kann, kann ABC den Abtransport zur Werkstatt oder zu einem anderen vereinbarten Zielort übernehmen. Nennen Sie bei der Anfrage möglichst Fahrzeugmodell, Antriebsart, Standort und Zustand des Fahrzeugs.
Fachredaktion: ABC Abschleppservice Rhein Main GmbH. Der Beitrag wurde auf Grundlage unserer praktischen Erfahrung mit Abschlepp-, Pannen- und Transportsituationen im Rhein-Main-Gebiet erstellt und redaktionell geprüft.
